Aktuell

PISA 2025: Basiskompetenzen und Bildungsgerechtigkeit im Fokus
Die OECD hat am 8. September 2026 die Ergebnisse der neunten PISA-Erhebung veröffentlicht. Die Daten wurden 2025 erhoben; weltweit nahmen rund 760.000 15-Jährige aus 91 Staaten und Regionen teil, in Deutschland rund 6.700 Jugendliche an etwa 250 Schulen. Schwerpunkt waren die Naturwissenschaften. Zusätzlich wurden Lesen und Mathematik sowie erstmals modellbasiertes Problemlösen als Teilbereich des Lernens in der digitalen Welt untersucht.
Deutschland erreicht 486 Punkte in Naturwissenschaften, 465 im Lesen und 464 in Mathematik. Damit liegen die Ergebnisse nur knapp über den OECD-Mittelwerten von 482, 461 und 463 Punkten. Zugleich wurden in allen drei Bereichen die niedrigsten Werte seit Beginn der PISA-Erhebungen gemessen. Gegenüber 2022 sanken die Mittelwerte um 7, 15 und 11 Punkte. Rund ein Viertel der Jugendlichen verfehlt in den Naturwissenschaften das Mindestniveau, in Lesen und Mathematik ist es jeweils etwa ein Drittel. Kompetenzstufe 2 gilt als grundlegende Schwelle für eine erfolgreiche Teilhabe an Ausbildung, Beruf und Gesellschaft.
Besonders deutlich zeigt sich die soziale Ungleichheit: In den Naturwissenschaften erzielen sozioökonomisch begünstigte Jugendliche durchschnittlich 125 Punkte mehr als benachteiligte. Im OECD-Mittel beträgt der Abstand 85 Punkte. Der sozioökonomische Status erklärt in Deutschland 19 Prozent der Leistungsunterschiede, gegenüber rund 12 Prozent im OECD-Durchschnitt. PISA beschreibt damit Zusammenhänge, weist aber keine einzelnen Ursachen nach.
Für Schulen und Lehrkräfte rücken frühe Sprach-, Lese- und Mathematikförderung, datengestützte Qualitätsentwicklung sowie die gezielte Unterstützung belasteter Schulen in den Mittelpunkt. Bund und Länder verweisen auf bereits eingeleitete Maßnahmen wie das Startchancen-Programm, die Roadmap zur Bildungsqualität, QuaMath und die Weiterentwicklung der Lehrkräftebildung. Für Kultusministerien, Lehrerverbände und Bildungswirtschaft stellt sich damit die Frage, wie Förderressourcen, Unterrichtsentwicklung sowie geeignete Lern- und Diagnosemedien wirksam aufeinander abgestimmt werden.
Quellen:
OECD 8. September 2026: PISA 2025 Ergebnisse
BMBFSFJ: Basiskompetenzen stärken, Bildungschancen verbessern
KMK Bildungsmonitoring: Internationale Schulleistungsvergleiche
Schulministerium Nordrhein-Westfalen: Stärkung der Basiskompetenzen

Demografischer Schulumbau: Schülerzahlen, Schulstandorte und Bildungsplanung bis 2040
Die Kultusministerkonferenz hat am 17. September 2026 ihre neue Vorausberechnung der Schüler- und Absolventenzahlen bis 2040 beschlossen. Grundlage sind die im Frühjahr 2026 von den Ländern gemeldeten Daten. Die Modellrechnung ist ausdrücklich eine Status-quo-Prognose: Das aktuelle Wahl- und Übergangsverhalten wird fortgeschrieben, zusätzliche trendverändernde Annahmen werden nicht getroffen. Die Zahlen sind damit keine politische Zielvorgabe und kein verbindlicher Plan für einzelne Schulstandorte.
Ausgehend von etwa 11,3 Millionen Schülerinnen und Schülern im Jahr 2025 rechnet die KMK zunächst mit einem Anstieg auf rund 11,5 Millionen im Jahr 2029. Danach wird ein Rückgang auf etwa 10,6 Millionen im Jahr 2040 erwartet – 6,2 Prozent weniger als 2025. Die aktuelle Berechnung fällt damit deutlich niedriger aus als die Prognose vom November 2025. Als wesentlichen Grund nennt die KMK die seit 2021 sinkenden Geburtenzahlen. Nach vorläufigen Daten des Statistischen Bundesamtes wurden 2025 rund 654.300 Kinder geboren, 3,4 Prozent weniger als 2024 und so wenige wie seit 1946 nicht mehr.
Die Entwicklung verläuft regional und nach Schulstufen unterschiedlich. In den westdeutschen Flächenländern wird bis 2029 ein zwischenzeitlicher Zuwachs erwartet; bis 2040 liegen sie 3,6 Prozent unter dem Niveau von 2025. Für die ostdeutschen Flächenländer prognostiziert die KMK einen Rückgang um 21 Prozent, für die Stadtstaaten um 5,3 Prozent. In der Primarstufe sinkt die Zahl bis 2040 voraussichtlich um 14,8 Prozent. In der Sekundarstufe I folgt auf einen Höchststand 2031 ein Rückgang; die beruflichen Schulen erreichen ihr Maximum erst 2035. Bei den Abschlusszahlen wirken zusätzlich bereits beschlossene G8/G9-Umstellungen in mehreren Ländern.
Für Kultusministerien, Schulträger und Schulen bedeutet das keinen einfachen Abbauprozess. In wachsenden Regionen kann zunächst zusätzlicher Bedarf an Räumen, Lehrkräften und Lernmitteln entstehen, während andernorts Fragen der Standortstruktur, Erreichbarkeit, Nutzung und Ausstattung neu bewertet werden. Die KMK-Prognose liefert dafür den überregionalen Rahmen, ersetzt aber keine kleinräumige Schulentwicklungsplanung. Für Lehrkräfte und Verbände ist zudem wichtig, dass der Personalbedarf nicht allein aus der Gesamtzahl der Schülerinnen und Schüler folgt. Schularten, regionale Verteilung, Ganztag, Inklusion und Aufgabenprofile verändern ihn. Für die Bildungswirtschaft können sich dadurch regionale Verschiebungen bei Investitionen, Ausstattung und Lernangeboten ergeben.
Quellen:
KMK: Vorausberechnung der Zahlen der Schüler/-innen und Absolvierenden 2025 bis 2040
Statistisches Bundesamt: Zahl der Geburten sinkt 2025 auf den niedrigsten Stand seit 1946

Investitionsstau, Sondervermögen und die wirtschaftliche Bedeutung der Schule
Der kommunale Investitionsrückstand bei der Schulinfrastruktur ist 2026 laut KfW-Kommunalpanel der größte Einzelposten: Die befragten Kämmereien schätzen die Lücke auf 68,9 Milliarden Euro. Gemeint ist der Betrag, der aus Sicht der Kommunen erforderlich wäre, um die Infrastruktur wieder in einen angemessenen Zustand zu versetzen. Es handelt sich damit um eine Befragungs- und Bedarfsschätzung, nicht um eine zentral geprüfte Baukostensumme. Insgesamt beträgt der wahrgenommene kommunale Investitionsrückstand 231,2 Milliarden Euro.
Für 2026 planen die Kommunen Sachinvestitionen von rund 50 Milliarden Euro; 27 Prozent davon sollen in Schulen fließen. Das geplante Volumen liegt 14,8 Prozent über dem Planwert für 2025. Die KfW weist jedoch auf die Differenz zwischen Planung und Umsetzung hin: Erfahrungsgemäß werden nur etwa zwei Drittel des angekündigten Volumens verausgabt. Als Hemmnisse nennt sie unter anderem langwierige Genehmigungs- und Vergabeverfahren, baurechtliche Anforderungen sowie fehlendes Personal in Bauverwaltungen. 42 Prozent der Kommunen rechnen zudem mit einem weiteren Anstieg des Investitionsrückstands.
Das Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität schafft einen politischen und finanziellen Rahmen für zusätzliche Investitionen. Das 500-Milliarden-Euro-Paket kann über zwölf Jahre bewilligt werden und umfasst unter anderem Bildung, Betreuung, Digitalisierung und weitere Infrastruktur. Es ist jedoch kein automatisch abrufbares Schulbauprogramm. Die Verantwortung für eine zielgenaue Mittelverausgabung liegt bei Bund, Ländern und Kommunen; konkrete Vorhaben müssen geplant, genehmigt, vergeben und umgesetzt werden. Bereits bewilligte Mittel sind daher von tatsächlich abgeflossenen Geldern und fertiggestellten Gebäuden zu unterscheiden.
Für Schulen geht es neben Sanierungen auch um Ganztagsflächen, Barrierefreiheit, Energieeffizienz, digitale Infrastruktur und zeitgemäße Lernumgebungen. Für Lehrkräfte und Schulleitungen entscheidet der bauliche Zustand unmittelbar über Arbeitsbedingungen und Unterrichtsorganisation. Für die Bildungsverwaltung entsteht die Aufgabe, Investitionsstau, demografische Veränderungen und neue pädagogische Anforderungen zusammenzuführen. Die Bildungswirtschaft kann von zusätzlichen Aufträgen in Planung, Bau, Gebäudetechnik, Ausstattung und Digitalisierung profitieren. Ob daraus tatsächlich ein nachhaltiger Wirtschaftseffekt entsteht, hängt jedoch vom Mittelabfluss und von der Umsetzungskapazität der Kommunen ab.

